Zurück in den Busch – durch die Kalahari nach Mabuasehube

Zurück in den Busch – durch die Kalahari nach Mabuasehube

Nach zwei erholsamen Nächten mit richtigem Bett und Dusche in Maun hieß es für uns wieder: ab in den Busch! Oder besser gesagt: rein in die endlosen Weiten der Kalahari.

Die Kalahari – das klingt nach Sand, Hitze und Einsamkeit. Und genau das ist es auch. Diese riesige Halbwüste erstreckt sich über Botswana, Namibia und Südafrika und ist geprägt von roten Dünen, Dornenbüschen, trockenem Grasland und einer erstaunlichen Tierwelt, die sich perfekt an die kargen Bedingungen angepasst hat. Kein Ort für schwache Nerven – aber einer, der die Seele weitet. Und mit etwas einlesen doch ganz gut zu bereisen. 

Unser Weg führte uns zunächst Richtung Ghanzi, wo wir wegen des Veterinärzauns, welcher einige Kilometer unter Maun kommt, noch schnell einen Stopp beim Metzger und Supermarkt einlegen mussten – Frischfleisch darf aus seuchentechnischen Gründen nicht einfach über die Grenze dieser Zonen transportiert werden. Ghanzi selbst ist ein eher verschlafenes Städtchen ohne große Highlights. Das kleine Museum, das wir besuchen wollten, war leider geschlossen, und zum ersten Mal auf unserer Reise begegneten wir bettelnden Kindern und Erwachsenen – etwas, das uns zuvor noch nie so aufgefallen war in Botswana.

Unser Tagesziel war die Kalahari Rest Lodge, eine einfache, aber liebevoll geführte Unterkunft mit angeschlossenem Campingplatz. Zwar direkt an der Straße, aber doch weit genug weg. Wir waren fast die einzigen Gäste – völlige Ruhe, bis auf den Wind und das gelegentliche Rufen eines Käuzchens. Die Duschen funktionierten noch ganz traditionell: Das Wasser wurde im Boiler über Feuerholz erwärmt – eine rustikale, aber irgendwie schöne Erfahrung. Bei einem kleinen Spaziergang entdeckten wir sogar einen toten, großen Raubvogel – möglicherweise ein Adler oder Bussard. Da lohnte sich natürlich einige Federn mitzunehmen. Ein neues Hobby von Leonie und Maja. 

Am nächsten Morgen brachen wir dann sehr früh auf – ein langer Fahrtag stand bevor. Unser Ziel: der Mabuasehube-Teil des Kgalagadi Transfrontier Nationalparks – eine der abgelegensten Gegenden, die man mit einem 4x4 in Botswana bereisen kann.

Über Kang, wo wir nochmal volltankten, ging es weiter nach Hukuntsi – ab hier wird es nämlich richtig einsam. Dann zweigten wir ab auf eine schier endlose Pad, wie die sandigen Pisten hier genannt werden. Die Strecke war zwar meist gut befahrbar, aber zog sich über viele, viele Kilometer. Die Landschaft wurde zunehmend karger, aber auch faszinierender. Je weiter wir fuhren, desto mehr hatten wir das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen – weit weg von allem.

Mabuasehube ist nicht einfach nur ein Nationalpark. Es ist ein Gefühl von absoluter Wildnis. Keine Lodges, keine Shops, kein Handyempfang – nur ein paar rustikale Campsites mit Plumpsklo und einer Feuerstelle. Hier draußen begegnet man der Natur auf Augenhöhe. Die Tiere sind nicht an Menschen gewöhnt, und genau das macht diese Gegend so besonders. Und der Preis ist endlich mal unschlagbar. Für drei Nächte inklusive Nationalparkgebühr zahlten wir gerade mal 25 Euro. Mega!

Die Region ist bekannt für ihre Salzpfannen, weiten Ebenen, Sanddünen und natürlich ihre Tierwelt: Löwen, Hyänen, Leoparden, Oryx, Springböcke – alle leben hier frei und ungestört. Wer Mabuasehube besucht, sucht nicht Komfort, sondern Abenteuer. Und genau das lag jetzt vor uns.

Lesholoago Pan – Allein im Nirgendwo (und ohne Löwen)

Unsere ersten beiden Nächte verbrachten wir auf einem abgelegenen Campsite an der Lesholoago Pan – und das war wirklich allein im Nirgendwo. Meilenweit kein Mensch, keine Fahrzeuge, keine Geräusche außer Wind, Vögel und nachts das entfernte Rufen von Löwen. Absolute Stille, absolute Wildnis. Genau das, was man sich von Botswana wünscht – oder?








Ja, aber eben auch mit einem kleinen Realitätscheck. Denn wer sich auf Instagram oder YouTube vorbereitet, bekommt oft eine völlig andere Vorstellung: Da laufen Löwen durch das Camp (ja, kommt dort definitiv mal vor), Leoparden trinken am Wasserloch und in jeder Ecke lauert ein Tierspektakel. Die Realität ist aber oft... deutlich normaler. Und genau das haben wir hier gemerkt.

Tatsächlich kamen bei uns keine Raubkatzen vorbei. Kein einziger Löwe ließ sich blicken – obwohl wir ganz nah dran waren. Frische Spuren im roten Sand nur einige Kilometer neben dem Camp, das Brüllen in der Nacht nur wenige Kilometer entfernt – aber eben kein Sichtungsglück. In diesen drei Tagen sahen wir auf "unserer" Pfanne genau: einen einsamen Oryx, eine stolze Straußenfamilie und zwei Springböcke, die offensichtlich zur Dauermiete dort lebten. Wildbeobachtung à la Minimalismus.

Aber dann kommt der Punkt, an dem man lernt, sich über die kleinen Dinge zu freuen. Unsere treuesten Begleiter: exakt 19 Perlhühner, die jeden Abend pünktlich von der Pfanne zurückkehrten und sich auf dem großen Baum direkt an unserem Platz zur Nachtruhe niederließen. Und jeden Morgen, mit dem ersten Sonnenstrahl, kündigten sie durch lautstarkes Gegacker an, dass zumindest keine Raubkatze in der Nacht durch’s Camp geschlichen war. Übrigens fast wie bei uns Menschen – der Tag begann bei ihnen erstmal mit einem ordentlichen Morgenschiss. Wildnisromantik pur!

Und dann, ganz nebenbei: Wir haben Erdmännchen gefunden! Nicht auf Bestellung, nicht bei einer Tour – einfach so, am Rande der Pad. Diese kleinen, wuseligen Kerle beim Graben und Wachehalten zu beobachten, war für uns fast das Highlight der ganzen Zeit dort.

Fazit: Kein Löwenkino, aber eine Erfahrung, die genau deshalb besonders war. Ruhe, Weite, Zeit – das echte Afrika eben. Ohne Filter.

Bosobogolo Pan & die legendäre Verbindung nach Nossob

Nach zwei Nächten an der ruhigen Lesholoago Pan zog es uns weiter zur nächsten, ebenfalls abgelegenen Campsite an der Bosobogolo Pan – einer deutlich größeren Salzpfanne im Südwesten des Mabuasehube-Gebiets. Sie liegt strategisch am Startpunkt der Verbindungsstrecke zwischen Mabuasehube und Nossob – der sogenannten "Königsetappe" für alle 4x4-Abenteurer, die den Kgalagadi Transfrontier Park wirklich durchqueren wollen.

Auch hier an der Bosobogolo Pan blieb es, was die Tierwelt betrifft, übersichtlich. Wir fuhren tagsüber etliche Kilometer ab, in der Hoffnung auf ein bisschen Großwild-Action – aber es blieb bei vereinzelten Sichtungen: ein paar Gnus, Strauße, Springböcke und ein paar neugierige Steinböcke. Immerhin begleiteten uns immer wieder wunderschöne Raubvögel – darunter einige besonders imposante Adler und Bussarde, die über der endlosen Landschaft kreisten.




Aber auch ohne tierisches Spektakel genossen wir die Zeit. Die Weite, die Farben, das Licht – die Landschaft dort draußen hat einfach eine ganz eigene Magie. Und man kommt runter. Richtig runter.

Dann war es so weit: die Königsetappe stand an. Die lange Strecke von Mabuasehube nach Nossob – mehrere Stunden reines Offroad-Fahren durch echtes Dünengelände. Die Meinungen dazu gehen im Internet weit auseinander: von "Albtraum" bis "easy going" ist alles dabei. Unsere Erfahrung? Lang, ja. Anspruchsvoll? Geht so.

Nach etwa 4 bis 5 Stunden waren wir durch – es war anstrengend, aber überraschend gut fahrbar. Es gibt zwei bis drei ordentliche Dünenanstiege, die definitiv 4x4 erfordern, aber sonst ist die Strecke eher sandig-ruhig als nervenzerfetzend. Und auch wenn die Fauna in diesem Teil des Parks nicht im Überfluss präsent war – eine Tierbegegnung war spektakulär: Mehrfach sahen wir Elands, die größte Antilope Afrikas, in kleinen Herden durch die Dünenlandschaft ziehen.

Einmal kreuzte eine ganze Gruppe direkt vor unserem Wagen die Piste – und das in vollem Galopp. Bei den massigen Tieren sollte man besser wirklich bremsbereit sein. Ein Zusammenstoß mit einem Eland? Das wünscht man nicht mal seinem Mietwagenanbieter.

Und so rollten wir schließlich in Nossob ein – staubig, müde, aber glücklich. Die Königsetappe war geschafft. Nicht, weil es besonders gefährlich war. Sondern weil es einfach ein echtes Wildnis-Erlebnis war. Und das ist ja eigentlich das, weshalb man das alles überhaupt macht.





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