Meer, Wale und das Kap und dann der Abschied

Nach zwei Tagen in Franschhoek hieß es wieder Abschied nehmen – wir wollten ans Meer. An den Atlantik. Und das diesmal zur perfekten Jahreszeit: zur Whale Season. Nach unseren Reisen 2012 und 2022 waren wir endlich mal zur richtigen Zeit vor Ort. Unser Ziel: Hermanus, bekannt als Südafrikas „Walhauptstadt“.

Wir verbrachten zwei Nächte in einer kleinen Ferienwohnung, nur ein paar Minuten vom berühmten Cliff Path entfernt. Diesen erkundeten wir am ersten Abend ein Stück zu Fuß – mit Blick auf die Küste, die Felsen und das offene Meer. Wirklich schön, viele spazierende Rentner inkl. Hunde (die Hundedichte ist hier wirklich sehr hoch), Joggern und allen paar Metern einem (städtischen) Security, hmm. Leonie blieb lieber in der Wohnung, was völlig fein war. Sie ahnte wahrscheinlich schon, dass der nächste Morgen ziemlich früh starten würde...



Um 6:30 Uhr trafen wir uns zum Whale Watching. Kurz nach sieben ging es mit dem Boot raus in die Walker Bay. Der Morgen war kühl, die Stimmung still – fast schon andächtig. Und dann zeigten sie sich auch schon: mehrere Southern Right Whales. Leider bekamen wir nur diese eine Art zu Gesicht, aber dafür gleich mehrere – inklusive einem springenden Wal! Richtig cool. Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass sich die Wale so nah an der Küste, fast schon in der Brandung, aufhalten - dabei in einer so hohen Dichte.




Generell kommen in den Gewässern rund um Hermanus übrigens Walarten regelmäßig vor:

1. Southern Right Whale (Südkaper)

Sie sind die Stars der Saison – und der Grund, warum wir hier waren. Zwischen Juni und November kommen sie zur Geburt und Aufzucht ihrer Jungen in die geschützten Buchten entlang der Küste. Mit ihren breiten Körpern, der typischen weißen Hornhautstruktur am Kopf und ihrem ruhigen Verhalten sind sie gut vom Boot (und sogar vom Land aus) zu beobachten.

2. Humpback Whale (Buckelwal)

Etwas seltener, aber nicht weniger beeindruckend. Mit ihren langen Brustflossen und den spektakulären Sprüngen (Breachings) sind sie ein echtes Schauspiel auf dem Wasser. Sie ziehen oft an Hermanus vorbei auf dem Weg in ihre tropischen Brutgebiete.

3. Bryde’s Whale (Brydewal)

Der eher scheue Vertreter unter den Walen. Brydewale sind das ganze Jahr über in den Gewässern vor der südafrikanischen Küste zu finden, tauchen aber oft nur kurz auf und sind daher schwerer zu beobachten. Dennoch – wer Glück hat, entdeckt auch diesen faszinierenden Meeresriesen.

Nach etwa 1,5 recht frischen Stunden auf dem Wasser ging es zurück in den Hafen – und für uns direkt in die Innenstadt zum Frühstück. Wie so oft in Südafrika: Top Qualität zu einem wirklich fairen Preis.

Anschließend schlenderten wir noch etwas durch das Städtchen. Viele kleine Ateliers und Galerien, sind dort liebevoll eingerichtet, mit tollen Arbeiten. Natürlich für unser Budget nicht machbar – aber alle Künstler, mit denen wir ins Gespräch kamen, waren super nett, interessiert und offen. Ein wirklich schöner Ort. Hermanus hat mich positiv überrascht. 

Am Nachmittag nutzten wir das gute Wetter für einen ausgiebigen Strandspaziergang – endlich mal Sand unter den Füßen und Wellen, die ans Ufer rauschen. Sogar ein kleiner Sonnenbrand ließ sich nicht vermeiden. Zur Abkühlung gab’s noch ein Eis – perfekt. Auf dem Rückweg verweilten wir nochmal kurz in der Innenstadt und tatsächlich, wie im Bilderbuch, konnte man einen Wal ganz gemütlich vom Spielplatz aus beobachten. Nur ca. 100 Meter von der Küste dümpelte ein Südkaper.




Den Abend ließen Maja und ich dann noch ganz entspannt ausklingen – ohne Leonie, die lieber in der Wohnung blieb. Wir waren in einer Bar mit Live-Musik, tranken ein richtig gutes Bier und genossen einfach mal die Ruhe und das Zusammensein – auch das war wunderschön.

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Süden – für die letzten beiden Tage unserer Reise entschieden wir uns für die Kaphalbinsel als Ausgangsbasis. Mit Blick in die False Bay zogen wir in eine wunderschöne, großzügige Wohnung in einem kleinen Ort oberhalb von Simon’s Town ein. Ruhig gelegen, mit traumhaftem Ausblick – der perfekte Ort, um die letzten Tage entspannt ausklingen zu lassen.

Auf dem Weg dorthin machten wir – wie schon 2022 – einen kurzen Stopp in Betty’s Bay. Dort lebt, ähnlich wie am bekannten Boulders Beach, eine größere Pinguinkolonie. Der große Unterschied: In Betty’s Bay kann man die Tiere (auch) ohne Eintritt beobachten. Einfach an den Felsen entlang spazieren und schauen, wie sie sich durch die Sonne watscheln, laut schnattern oder sich gegenseitig das Gefieder sortieren. Herrlich, diese kleinen Kerle und Frauen – wir hätten noch länger zusehen können. Aber es war recht windig.




Den Nachmittag verbrachten wir, nach einigen Stunden in unseren neuen Wohnung,  nochmal ganz entspannt am Strand – bei strahlendem Sonnenschein, wie bestellt. Perfekter Abschluss für den Tag, bevor es am nächsten Morgen ein letztes Mal richtig touristisch wurde: Kap der Guten Hoffnung, Runde zwei – unser erster Besuch lag ja schon über zehn Jahre zurück, 2012.

Mit knapp 50 Euro Eintritt pro Familie ist der Table Mountain National Park nicht gerade ein Schnäppchen – aber gut, wenn man schon mal da ist… Das volle Programm also: Foto am legendären Schild, gemeinsam mit einer ganzen Busladung anderer Besucher. Klischee? Vielleicht. Aber irgendwie gehört’s eben dazu.




Anschließend fuhren wir noch zum Leuchtturm auf dem Cape Point und spazierten weiter zum Danger Point. Die Ausblicke von dort oben sind wirklich beeindruckend. Felsen, Klippen, das offene Meer – man fühlt sich ganz schön klein an diesem Ende der Welt.

Das wahre Highlight kam danach: Wir fanden einen ruhigen, fast menschenleeren Sandstrand im Park, der einfach traumhaft schön war. Feiner Sand, türkisblaues Wasser und ein Gefühl von völliger Ruhe. Leonie übte fleißig Handstand, sie gab mir ein kleines Coaching in Sachen Radschlag, und zwischendurch lagen wir einfach in der Sonne und ließen die Seele baumeln. Zwei Stunden, richtiger "Urlaub". 



Auf dem Rückweg hielten wir noch in Simon’s Town – natürlich gab’s dort ein wohlverdientes Eis. Am Abend suchten wir uns ein nettes Restaurant, genossen gutes Essen und ließen den Tag entspannt ausklingen – ein rundum gelungener letzter voller Tag am Kap.

Da war er also. Unser letzter Abend. Also hieß es am nächsten Morgen ab zum Flughafen und über Doha zurück nach Frankfurt. Was ein Unterschied: Qatar Airways war dann doch etwas besser als Egyptair 😀


Das waren sie also: Fünf unvergessliche Wochen voller Abenteuer, Begegnungen und neuer Perspektiven. Afrika hat uns erneut seiner Vielfalt, Herzlichkeit und landschaftlichen Schönheit tief beeindruckt. 

Wir haben gelernt, loszulassen, den Moment zu leben und mit offenem Herzen unterwegs zu sein. Die kulturellen Unterschiede haben uns bereichert, und wir nehmen nicht nur Fotos und Geschichten mit nach Hause, sondern auch Dankbarkeit und Demut.



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