Khwai-Konzession: Elefanten, Hyänen und Mokoro-Tour

Nachdem wir dem Reifen also wieder etwas Luft zugetan hatten, hieß es: weiter Richtung Norden. Unser Ziel war die Khwai-Konzession – ein Gebiet, das man ohne Übertreibung als eines der landschaftlich reizvollsten und tierreichsten im ganzen Land bezeichnen kann?!

Für drei Tage ließen wir uns auf der sehr, sehr schönen Mbudi Campsite (Nummer 1) nieder. Was für ein Ort! Direkt am Fluss gelegen, mit Aussicht auf dichte Ufervegetation, durch die immer wieder Elefanten und Wasserböcke schlendern. Krokodile gibt es zum Glück nur am Khwai. Der Mbudi ist für sie mit ca. einem Meter Tiefe nicht tief genug. Ein kleine Nilpferdfamilie grunzt nachts in der Bucht nebenan, und morgens gleiten Mokoros mit freundlichen Guides vorbei, die ihre Gäste lautlos zu Touren abholen.

Aber bis dahin war noch etwas Weg – und ein Zwischenstopp an der bekannten Brücke über den Khwai. Dort kam es dann zum ersten etwas größeren Streit mit Maja - Grund vergessen. Ja, auch das gehört dazu, wenn man tagein, tagaus auf engstem Raum unterwegs ist, kaum Privatsphäre, keine wirkliche Me-Time. Und obwohl uns das Reisen eigentlich zusammenschweißt, sind wir natürlich nicht immun gegen Reibung. Zum Glück haben wir inzwischen ein paar Strategien entwickelt, wie wir schnell wieder zueinander finden. Ein bisschen Abstand, ein tiefer Atemzug – und weiter geht’s.

Bevor wir zur Mbudi Campsite fuhren, erkundeten wir noch ein wenig das Gebiet rund um die Mogotho Campsites. Auch ein sehr cooler Ort! Rundherum nur Natur: Wasser vom Khwai- und vom Mbudi-Fluss, Elefantenherden am Ufer, Nilpferde, Krokodile, Fischadler über unseren Köpfen. Und das Beste? Für dieses Gebiet muss man keine Nationalparkgebühr bezahlen – ein echter Bonus.


Die Tage am Khwai waren bis dato unsere schönsten. Und die entspanntesten. Die Mbudi Campsite ist vielleicht? in kleiner Geheimtipp – einfach, aber wunderschön gelegen. Täglich kommen Elefanten vorbei, eine Wasserbock-Familie scheint die Lichtung als Wohnzimmer zu nutzen, und manchmal hört man in der Ferne das Lachen der Hyänen. Der sogenannte Ablution-Block ist einen guten Kilometer Fußweg entfernt. 

Ein Highlight war unsere Mokoro-Tour an einem späten Nachmittag. Statt der angekündigten einen Stunde gleiteten wir 1,5 Stunden nahezu lautlos über das Wasser. Selbst Leonie – sonst eher die Gesprächige – war plötzlich ganz still. Es fühlte sich an wie eine Meditation auf dem Fluss. Unser Guide, ein ruhiger, kenntnisreicher Einheimischer, erklärte uns Flora und Fauna, zeigte uns besondere Bäume und viele Vögel, die wir ohne ihn wahrscheinlich nie bemerkt hätten.



Und auch der Besitzer der Campsite (welchen wir Tage später sogar zufällig wieder in Maun trafen) war superfreundlich – als unser Bargeld knapp wurde, kam er uns preislich sogar entgegen (normalerweise kostet die Tour 400 Pula pro Person). So viel Entgegenkommen findet man nicht überall. Sein Name: Rocket 😃

Nachts allerdings wurde es nochmal spannend. Plötzlich ein Rumpeln – eine der Mülltonnen war umgeworfen. Und da waren sie wieder: die Hyänen! Genüsslich schnüffelten sie sich durch die Reste, auf der Suche nach etwas Essbarem. An einem Abend stand ich mit der Taschenlampe am Fluss, wollte eigentlich nur nach dem schmatzenden Nilpferd Ausschau halten – als plötzlich fünf Meter hinter mir eine Hyäne auftauchte. Ich schwöre, mein Herz hat kurz aufgehört zu schlagen. Die sind einfach leise wie Ninjas!

Und dann kam mein Fehler. Ich hatte den Luftkompressor über Nacht draußen stehen lassen – schließlich brauchen wir ihn jeden Morgen für die Reifen. Am nächsten Morgen dann: What the...?! Die Hyäne hatte den Schlauch durchgebissen. Und zwar so sauber, als hätte jemand mit einer Profischere gearbeitet. Leicht panisch durchsuchten wir unsere Boxen nach Flickzeug, holten Kleber und Tape aus Deutschland hervor, und bastelten eine notdürftige Reparatur zusammen. Funktionierte so mittel, aber immerhin konnten wir mit viel Druck noch etwas Luft in die Reifen bekommen.

Botswana, du machst uns fertig – aber auf die schönstmögliche Weise.

Die großen Raubkatzen – also Löwen, Wild Dogs und die ansässigen Leoparden – wollten sich bei unseren täglichen Game Drives leider nicht blicken lassen. Natürlich hofft man immer, aber am Ende ist es, wie so oft: Glückssache. Und unser Glück lag dieses Mal wohl woanders.

Ein bisschen frustriert waren wir trotzdem – vor allem, als wir später im Netz entdeckten, dass genau an einem unserer Tage ein Leopard ein Impala in den Baum gezogen und verspeist hatte. Und das Beste: die Wildhunde kamen danach vorbei und gönnten sich den Rest vom Boden aus. Genau da, wo wir an dem Tag auch unterwegs waren – nur eben ein paar Stunden zu früh oder zu spät. So ist Safari.

Dafür hatten wir einen anderen Moment, der alles wettgemacht hat: Als wir gerade eine Biegung am Khwai-Fluss nahmen, bot sich uns ein Bild, das wir nie vergessen werden. Auf der Moremi-Seite des Flusses standen… wir haben gezählt… über 150 Elefanten! So viele auf einem Fleck hatten wir auf unseren bisherigen vier Reisen noch nie gesehen. Genüsslich schlenderten sie umher, rissen Gras aus, schubsten sich ein bisschen – und dann, wie auf ein geheimes Zeichen hin, entschieden sie sich, den Fluss zu überqueren.

Was dann passierte, war einfach nur magisch. Mit hörbarem Spaß am Wasser begannen sie zu planschen, sich gegenseitig nasszuspritzen, die Jungen schubsten sich, die Alten stapften durch die Strömung – ein regelrechtes Schauspiel. Und wir? Wir standen nur etwa 20 Meter entfernt neben unserem Camper und konnten unser Glück kaum fassen. Lovely. Einfach nur lovely.

Ein weiteres persönliches Highlight: Ich wusste aus ein paar Videos, dass es irgendwo in der Gegend einen sogenannten Hyänen-Damm gibt – eine Art fester Bauplatz, an dem eine Hyänenfamilie lebt. Und siehe da: Wir fanden ihn – durch Zufall! Zwei Baby-Hyänen und ihre beiden älteren Geschwister lagen direkt neben dem Damm, und wir hatten sie für mehrere Minuten ganz für uns allein. Die größeren waren unfassbar neugierig – vielleicht auch, weil Mama und Papa gerade auf Streifzug waren?


Kaum war der Motor aus, kamen sie direkt ans Auto heran, schnüffelten, beobachteten uns. Dabei mussten wir ganz schön aufpassen – denn nach unserem Erlebnis mit dem zerbissenen Kompressorschlauch wussten wir nun: Das Hyänengebiss ist kein Witz. Und Autoreifen? Sehen für sie vermutlich aus wie ein leckerer Kauknochen.

Und dann waren da noch die Wasserdurchfahrten…



An einigen Stellen kommt man nicht drumrum – da muss man den Mbudi oder Khwai überqueren. Sieht erstmal easy aus, ist es aber nicht immer. Also: Low-Range-Gang rein – oder vielleicht doch erstmal die Wassertiefe in Unterhose checken. Gesagt, getan. Autsch, doch ganz schön tief. Aber wir wagten es – mehrfach. Und zum Glück: Jedes Mal geschafft.

Nur wie so oft bei solchen Aktionen: das Nummernschild verabschiedet sich. Also fuhren wir am nächsten Tag nochmal extra zur Flussdurchfahrt zurück. Ich bin sogar nochmal abgelaufen – keine Chance. Aber dann, als wir mit ein bisschen mehr Schmackes durchfuhren – zack! Da trieb es plötzlich wieder auf: Tada! Unser Nummernschild hatte einen Tag am Flussboden verbracht – und war nun wieder bei uns. Botswana-Logik: Erst Drama, dann Wunder. 

Am Morgen des dritten Tages verabschieden wir uns bei Sonnenaufgang. Ziel war das North-Gate des Moremi Nationalpark. Und wer kommt morgens gemütlich auf der "Straße" von seinem Streifzug? Natürlich: Die Hyänen 🤣



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