Kgalagadi – Die stille Schönheit der Kalahari
Kgalagadi – Die stille Schönheit der Kalahari
Nachdem wir recht zeitig im Restcamp in Nossob angekommen waren, hieß es erstmal: Chalet beziehen. Die Campsites im Park waren laut der Internetseite der südafrikanischen Nationalparkbehörde seit Monaten ausgebucht – angeblich zumindest. Im Nachhinein war das aber gar kein Nachteil. Bei nächtlichen Temperaturen, die locker unter den Gefrierpunkt rutschten, war ein Chalet mit dicken Decken und Heizung sogar ein echter Segen. Und: Wer nicht erst ein Zelt abbauen muss (wenngleich wir darin recht schnell geworden sind), schafft es morgens auch pünktlich zur Toröffnung raus.
Apropos Tor: Durch die Überquerung des ausgetrockneten Nossobtals waren wir wieder in Südafrika – und damit zurück in der Welt der Zäune, festen Öffnungszeiten und Tagesgebühren. 25 Euro pro Tag und Person, um genau zu sein. So viel wie in Botswana für drei Nächte inklusive Campingplatz (zumindest in der Mabuasehube-Region). Nun ja. Augen zu und durch.
Am Nachmittag ging’s dann nochmal raus auf eine kleine Pirschfahrt Richtung Süden. Wir steuerten einige Wasserlöcher an, hatten aber keine nennenswerten Sichtungen. Ein paar Antilopen hier, ein Schakal da. Keine Löwen, keine Katzen, nichts Spektakuläres. Und trotzdem: Der Ausflug war ein Erlebnis.
Denn was dem Kgalagadi an dramatischer Tierfülle fehlt, macht er durch seine Landschaft mehr als wett.
Weite, Wind und Wellen aus Sand
Die Landschaft ist geprägt von roten Dünen, die wie Wellen durch die trockene Kalahari rollen. Dazwischen ziehen sich breite, ausgetrocknete Flusstäler – wie das Nossob- oder Auobtal – durch das Land. Es ist eine Welt voller Kontraste: der glutrote Sand, das gelbliche Gras, der tiefblaue Himmel.
Vereinzelt stehen Kameldornbäume wie aus der Zeit gefallen. Ihre knorrigen Äste wirken fast wie Skulpturen in einer offenen Galerie. Und obwohl alles auf den ersten Blick lebensfeindlich wirkt, ist die Kalahari voller Leben – man muss nur genauer hinschauen.
Hier geht es nicht um Spektakel.
Was der Park schafft, ist selten geworden: Er entschleunigt. Man wird langsamer. Beobachtet mehr. Lässt sich auf die Landschaft ein. Auf die Farben, die Stille, das Licht.
Denn wenn die Sonne am späten Nachmittag beginnt, die Dünen zu vergolden, und der Wind leise durch das trockene Gras streicht, ist der eigentliche Star des Tages nicht ein Löwe oder ein Gepard. Sondern die Kalahari selbst. Das hatten wir bereits in der Mabuasehube-Region erkannt.
Katzensuche am Morgen
Am nächsten Morgen wollten wir unser Glück erneut versuchen. Die Raubkatzen fehlten uns noch auf unserer Safari-Bucket-Liste – zumindest die etwas scheueren Vertreter. Abgesehen von den drei Löwen im Pilanesberg und einem kurzen, aber intensiven Leopardenmoment im Chobe war es in dieser Hinsicht erstaunlich ruhig geblieben. Und natürlich: Je seltener, desto größer die Sehnsucht.
Leonie war vom frühen Aufstehen wenig begeistert. Verständlich – vor allem bei den eisigen Temperaturen am Morgen. Zum Glück ist sie mittlerweile in einem Alter, in dem man sie auch mal für zwei Stunden alleine im Chalet lassen kann. Eingemummelt in warme Decken, noch leicht verschlafen, verabschiedete sie uns mit einem knappen "Viel Spaß" – was wohl so viel bedeutete wie: Lasst mich bloß in Ruhe schlafen.
Also los. Oder… fast. In Südafrika läuft das mit den Pirschfahrten nämlich etwas anders: Man muss sich an der Rezeption für jede einzelne Fahrt registrieren bzw. „aus- und einchecken“. Bürokratie, selbst im Busch. War für uns neu, aber gut – wieder was gelernt.
Löwenspuren im Sand
Kurz nach Verlassen des Camps dann das erste Adrenalin: Frische Löwenspuren auf der Fahrbahn. Klar erkennbar, ganz frisch – so, als wäre das Tier erst vor wenigen Stunden vorbeigekommen. Vielleicht war es sogar noch in der Nähe?
Wir folgten den Spuren. Kilometer um Kilometer zog sich die Fährte auf der sandigen Piste dahin. Mal auf der linken, dann auf der rechten Seite. Es wirkte fast so, als sei der Löwe ziellos durch die Gegend gewandert, zwischen Neugierde und Müdigkeit. Immer wieder starrten wir ins Dickicht, scannten die Flussböschung, hielten an, lauschten.
Doch irgendwann endeten die Spuren abrupt – sie verliefen quer in das trockene Flussbett des Nossob und verloren sich dort zwischen Sand und Schatten. Kein Löwe. Kein Rascheln. Nur wieder diese flirrende, stille Leere.
Also zurück. Wieder kein Glück mit den Großkatzen.
Frühstück, Packen, Weiterziehen
Zurück im Camp erstmal frischer Kaffee und das letzte bisschen Müsli, das wir noch nicht aufgefuttert hatten. Während Leonie langsam auftauchte und ihre morgendliche Grummellaune ablegte, begannen wir mit dem Packen.
Gegen Mittag ging es dann weiter Richtung Süden – neue Wege, wieder ein neues Camp (wieder auf der botswanischen Seite) neue Chancen. Und vielleicht – endlich – auch die ersehnten Löwen?
Abschied – unser letzter Safari-Tag in der Kalahari
Na endlich! Als wir aufbrachen, waren wir eigentlich schon innerlich ein bisschen auf "Feierabend" eingestellt – du kennst das: letzte Hoffnung auf eine Sichtung... Und dann lag er da. Keine 1000 Meter weiter, direkt am Straßenrand: ein prächtiger Kalahari-Löwe. Ganz für sich, ohne Eile, ohne Drama. Der Pascha schlief.
Natürlich waren wir nicht allein. Ein paar Fahrzeuge hatten sich schon um ihn versammelt, aber irgendwie störte das niemanden. Der Löwe am allerwenigsten.
Doch es kam noch besser. Einige Kilometer weiter, im Flusstal, entdeckten wir die nächsten Löwen – zwei kräftige Männchen und ein Weibchen, immer in Bewegung, wenn auch leider etwas zu weit entfernt für gute Fotos. Aber egal, es war einfach ein würdiger Abschluss. Wir hatten sie alle gesehen: Elefanten, Hyänen, Giraffen, sogar Schabrackenschakale. Und zum krönenden Abschluss nochmal Löwen. Was will man mehr?
Na gut… Geparden oder Leoparden wären noch das i-Tüpfelchen gewesen. Aber die großen Katzen wollten sich wohl nicht mehr zeigen. Vielleicht waren wir einfach immer einen Schritt zu spät. So ist das eben in der Wildnis – nichts ist garantiert. Und genau das macht es so besonders.
Unsere letzte Nacht verbrachten wir wieder auf der botswanischen Seite, in Rooiputs.
Und auch wenn der Abschied schwerfällt: genau das macht diese Reisen so intensiv. Man nimmt nicht nur Bilder mit, sondern Eindrücke, Geräusche, Gerüche – Erinnerungen,
Am nächsten Tag hieß es dann wirklich Abschied nehmen. Unsere letzte Nacht im Camper – und was für eine! Noch einmal zog die Kälte gnadenlos durch jede Ritze. Minus 6 Grad zeigte das Thermometer am Morgen an. Aber ehrlich gesagt: durch die trockene Luft fühlte es sich gar nicht so eisig an, wie man es erwarten würde. Klar, der Kaffee am Morgen war Pflicht – heiß, stark, lebensnotwendig.
Dann hieß es: Schlafsäcke einrollen, Zelt abbauen, alles verstauen – ein letzter prüfender Blick über die trockene, rotgoldene Landschaft, die uns in den letzten Wochen so vertraut geworden ist. Und dann ab auf die Straße.
Der Weg führte uns noch einmal quer durch den Norden Südafrikas – lange Strecken, vorbei an einsamen Farmen, flirrenden Ebenen und endlosen Zäunen. Die Landschaft veränderte sich langsam, wurde sanfter, grüner. Unser Zwischenstopp für die Nacht: Calvinia – ein kleines, verschlafenes Städtchen irgendwo zwischen Wüste und Zivilisation. Perfekt, um einmal durchzuatmen und die letzten Campingvorräte zu sortieren, bevor es wieder zurück in Richtung Kapstadt ging.
Je näher wir dem Süden kamen, desto mehr kroch die Realität zurück in unsere Köpfe. Und doch – irgendwo zwischen Rooiputs und Calvinia hatte sich etwas verändert. Vielleicht waren es die Löwen, vielleicht die stillen Nächte, vielleicht die unglaublichen Weiten. Irgendetwas hatte diese Reise mit uns gemacht.








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