Chobe Nationalpark und das Auto
Ein entspannter Tag in Kasane
Nach unserer zweiten Nacht auf dem Campingplatz der Chobe Safari Lodge hatten wir eigentlich geplant, vormittags in den Chobe Nationalpark zu fahren. Die klassische Game Drive-Tour, wie man sie eben macht. Für den Nachmittag war ohnehin schon eine dreistündige Sundowner-Bootsfahrt gebucht. Aber – wie das manchmal so ist – wir haben spontan umgeplant und beschlossen, einfach mal einen lässigen Tag einzulegen. Kein Stress, kein Zeitdruck. Nur wir, ein bisschen Stadt, ein bisschen Pool.
Leonie und ich machten uns also am Vormittag zu Fuß auf den Weg Richtung Supermarkt. Ein Spaziergang, der länger dauerte als gedacht – fast 1,5 Stunden waren wir unterwegs. Zum Glück gab es entlang der Straße immer wieder kleine Stände mit Souvenirs, die Leonie natürlich genau unter die Lupe nahm. Die Händler waren – wie bisher überall in Botswana – extrem freundlich, nie aufdringlich, eher interessiert. Ein kurzes Lächeln, ein nettes Wort, und schon war man im Gespräch.
Zurück am Camp hieß es erstmal: Pooltime! Und das hatten wir uns auch wirklich verdient. Der Pool war zwar ziemlich kalt, aber nach dem langen Spaziergang genau richtig - zumindest Leonie traute sich heute noch rein. Wir lagen in der Sonne, haben gelesen, gedöst – einfach mal nichts gemacht. Das war genau das richtige Tempo vor dem nächsten kleinen Highlight.
Um 15 Uhr ging’s dann los zur Bootsfahrt auf dem Chobe River. Das Boot war recht groß, mit einem Aussichtsdeck oben und sogar einer kleinen Bar. Es gab Snacks, Getränke – und zu Leonies großer Freude auch endlich das von mir so oft erwähnte Biltong (trockenes Fleisch, das ich liebe). Sie probierte es – und war sofort Fan.
Die Fahrt selbst war traumhaft. In aller Ruhe glitten wir über den Fluss, vorbei an Krokodilen, Giraffen, Elefanten, majestätischen Fischadlern, Büffeln, unzähligen Vögeln – eigentlich allem, was man sich auf einer Safari wünscht. Das Licht wurde gegen Abend immer wärmer, die Stimmung auf dem Boot war entspannt und ruhig. Man konnte einfach nur dasitzen, schauen, atmen.
Nach der Rückkehr gönnten wir uns ein letztes Abendessen in der Lodge – für die kommenden Tage hatten wir schließlich kein Restaurant mehr vor uns. Der Service und das Essen waren wirklich top. Generell kann man im südlichen Afrika für relativ kleines Geld richtig gut essen gehen – das fällt einem hier immer wieder positiv auf - bei den sonst doch recht happigen Preisen in Botswana.
Mit einer Flasche Leopard’s Leap Wein (aus dem südafrikanischen Weingut, das wir in ein paar Wochen noch besuchen werden) ließen wir den Abend langsam ausklingen. Leicht beschwingt und ziemlich zufrieden fielen wir danach ins Bett. Der nächste Abschnitt unserer Reise würde deutlich wilder – aber dieser entspannte Tag war genau das richtige Davor.
Chobe, Allrad und das große Buddeln
Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen und machten uns bereit für die erste echte Offroad-Etappe: Einmal quer durch den Chobe Nationalpark bis in den kleinen Ort Kachikau. Von dort aus wollten wir – mit einer Zwischenübernachtung – weiter in die für ihre Löwen berühmte Savuti-Region. Der Plan war klar: Parkfee bezahlen, rein in den Chobe und dann einfach treiben lassen.
Anfangs lief auch alles rund. Die Landschaft war wunderschön, wir kamen gut voran und freuten uns auf den wilden Teil der Reise. Doch schon nach etwa einer Stunde im Park merkten wir: Mit dem Allradantrieb stimmt was nicht. Er ließ sich nicht mehr richtig einlegen. Eigentlich kein Drama – aber im Chobe mit seinem legendären Tiefsand-Passagen kann das schnell zum Problem werden.
Zunächst verdrängten wir das Ganze – auch, weil wir eine richtig tolle Leopardensichtung hatten. Ein wunderschönes Tier, welches man nur selten findet. Daher kamen nach der ersten Sichtung auch im Minutentakt die Autos der Lodges. Ein Nachteil der recht touristischen Chobe Region. Für den Augenblick war das Auto aber vergessen.
Aber klar war auch: Wir müssen das Allradproblem klären, bevor wir uns ernsthaft festfahren. Nach einem kurzen Check und Rücksprache mit Africamper war klar: Zurück nach Kasane, zu Mario’s Garage und Frank, den wir bereits vom Austausch unserer Windschutzscheibe kannten.
Also nahmen wir den nächstbesten Weg raus aus dem Park – laut Karte eine Verbindung zur Teerstraße. Und dann kam’s, wie’s kommen musste. Die Straße entpuppte sich als eine Sandpiste vom Feinsten. Anfangs kämpften wir uns noch irgendwie durch – trotz fehlendem Allradantrieb, im 4x2-Modus. Aber nach ein paar Kilometern war Schluss: Festgefahren. Zum ersten Mal.
Und ja – da geht einem kurz mal die Pumpe. Wir probierten alles: Sandbretter raus, Äste unter die Reifen, buddeln, schieben, fluchen. Nichts ging. Der Wagen saß fest. Und weit und breit kein Mensch und Handyempfang gab es auch keinen.
Nach etwa 45 Minuten tauchte wie aus dem Nichts ein Mitarbeiter einer nahegelegenen Campsite auf – mit seinem alten Toyota und viel Geduld. Nach mehreren Anläufen zog er uns tatsächlich bis zur Teerstraße raus. Ein Ginger Beer und ein paar Scheine als Dankeschön waren da wohl das Mindeste.
Dann also direkt weiter zur Werkstatt. Wir hatten noch Hoffnung, dass es eine schnelle Lösung gibt, um es noch an diesem Tag nach Kachikau zu schaffen. Aber nach über drei Stunden Schrauben, Prüfen, Fluchen kam die Ernüchterung: Die zentrale elektronische Steuerung vom Allradsystem ist hinüber. Und schlimmer noch – das Teil gibt’s in Kasane nicht. Muss aus Südafrika per Kurier eingefahren werden. Lieferzeit: mindestens drei Tage. Und dazu kam noch: Es ist Wochenende.
Auweia.
Wir nahmen wieder Kontakt mit Africamper auf und beschlossen – oder besser gesagt: mussten – erstmal zurück zur Chobe Safari Lodge. Zum Glück hatten sie noch einen Stellplatz frei. Kurios: Über unsere deutsche Vorabreservierung hatten wir dort 70 Dollar pro Nacht bezahlt – jetzt direkt vor Ort kostete es nur 450 Pula, also knapp 35–40 Euro.
Und nun? Es bleibt spannend. Unser Ziel ist immer noch, über Savuti in die Khwai-Region zu kommen. Aber das geht nur mit funktionierendem 4x4. Jetzt heißt es erstmal abwarten und hoffen – auf Ersatzteile, auf gutes Timing, und ein bisschen auch auf afrikanische Wunder.


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